Fahrtaufwendungen behinderter Arbeitnehmer

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Inhaltsverzeichnis

Fahrtkosten für bestimmte behinderte Arbeitnehmer

Fahrten zur Arbeitsstätte

Liegt bei Ihnen eine Behinderung nach § 9 Abs.2 EStG vor, dürfen Sie Ihre Fahrtkosten zur Arbeit immer entweder in der tatsächlichen Höhe oder aber in Höhe der allgemeinen Kilometerpauschalen ansetzen.


Voraussetzungen:

  • Grad der Behinderung mindestens 70 Prozent oder
  • Grad der Behinderung weniger als 70 Prozent, mindestens aber 50 Prozent, und es liegt eine erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr vor (was der Gesetzgeber „erhebliche Gehbehinderung“ nennt).

Liegt eine der beiden Voraussetzungen vor, können Sie die Fahrtkosten auf zwei Arten geltend machen: entweder mit der allgemeinen Kilometerpauschale, also tatsächlich gefahrenen Auto-Kilometern multipliziert mit 30 Cent pro km, oder aber mit den tatsächlichen Fahrtkosten (= individueller Kilometersatz).


Achtung: Daneben können Unfallkosten abgezogen werden!


Pauschale Kilometersätze für behinderte Arbeitnehmer bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
Benutztes Fahrzeug allgemeine Kilometerpauschale ab 2008 (Euro/km)
PKW 0,30
Motorrad/Motorroller 0,13
Moped/Mofa 0,08
Fahrrad 0,05


Zur Ermittlung der tatsächlichen Fahrtkosten (= individueller Kilometersatz Ihres PKW) müssen Sie jedoch über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten grundsätzlich alle Aufwendungen und die gesamte Fahrleistung belegen, z.B. in Form eines Fahrtenbuches. Dazu geben wir Ihnen im Abschnitt Q unter „Tatsächliche Fahrzeugkosten“ einige Tipps.

Tipp für WISO Sparbuch-Anwender
Das Programm berechnet die tatsächlichen Fahrzeugkosten automatisch, wenn Sie die entsprechenden
Voraussetzungen erfüllen.
Das heißt:
* Sie müssen im Abschnitt A „Behinderung“ die erforderlichen Angaben zur Behinderung eingeben.
Dann wird automatisch der Kilometersatz von 30 Cent(für PKW) angesetzt.
*Haben Sie auch das Bearbeitungsschema im Abschnitt Q „Ermittlung der tatsächlichen Fahrtkosten“
ausgefüllt, so wird der auf diese Weise ermittelte höhere Kilometersatz angesetzt.
*Sollten die tatsächlichen Fahrtkosten einen Kilometersatz ergeben, der unter 30 Cent liegt, so
rechnet das Programm natürlich mit dem gesetzlich erlaubten und für Sie günstigeren Satz von 30 Cent.

Leerfahrten (H 9.10 LStH 2011)

Zuerst das Grundsätzliche: Auch behinderte Arbeitnehmer dürfen nur die Aufwendungen für eine Hin- und eine Rückfahrt - wie alle anderen Arbeitnehmer - geltend machen. Aber: Bei Behinderten sind auch so genannte Leerfahrten zu berücksichtigen, also Fahrten, die z.B. der Ehegatte unternimmt, um den Steuerpflichtigen zur Arbeit zu bringen und wieder abzuholen. Auch diese Touren können als Fahrtaufwendungen in tatsächlicher Höhe (individueller Kilometersatz) oder mit dem allgemeinen Kilometersatz von 30 Cent abgezogen werden.

Tipp:

Sollte sich auf einer Fahrt, auch auf einer Leerfahrt, ein Unfall ereignet haben, so können Sie Ihre Unfallkosten absetzen; später im „Werbungskosten-ABC“ gehen wir darauf detaillierter ein.

Zuschüsse des Arbeitgebers

Erstattungen des Arbeitgebers zu den Fahrtaufwendungen des Arbeitnehmers für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sind bei behinderten Arbeitnehmern grundsätzlich steuerpflichtig - genau wie bei Nichtbehinderten.

Wichtig:

Zuschüsse, die Sie in voller Höhe versteuert haben, mindern Ihre geltend gemachten Fahrtaufwendungen nicht. Zuschüsse an behinderte Arbeitnehmer können aber auch pauschal mit 15 Prozent (wie bei allen anderen Arbeitnehmern) grundsätzlich vom Arbeitgeber versteuert werden, und zwar entweder in Höhe der tatsächlichen Fahrtkosten oder in Höhe der allgemeinen Kilometerpauschalen (bei einem PKW sind das 60 Cent je Entfernungskilometer). Der Arbeitgeber hat dann auf der Lohnsteuerbescheinigung 2008 in Zeile 18 sogenannte pauschal besteuerte Arbeitgeberleistungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu bescheinigen.
Für Sie bedeutet das, dass Ihre angesetzten Fahrtaufwendungen in Höhe des bescheinigten Betrages gekürzt werden.

Übrige Fahrten von behinderten Personen

Nicht nur für Fahrten zur Arbeit gelten für Behinderte die höheren Kilometerpauschalen; sie können auch für bestimmte private Fahrten angesetzt werden. Mehr dazu im Abschnitt „Außergewöhnliche Belastungen“.