Beitraege Sozialversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber

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Inhaltsverzeichnis

Vorsorgeaufwendungen

- persönliche Sozialversicherungen -

Sie wissen natürlich, dass Vorsorgeaufwendungen, so werden die Versicherungsbeiträge auch genannt, als Sonderausgaben nur bis zu bestimmten Höchstbeträgen abgezogen werden dürfen. Das war bis zum Jahr 2004 so und hat sich auch nach der so genannten Rentenreform ab 2005 nicht geändert. Aber!

Der Grund, warum wir an dieser Stelle auf diese Vorsorgeaufwendungen eingehen, ist ganz einfach: Es handelt sich - nur - um die Vorsorgeaufwendungen des Arbeitnehmers, bei denen der Arbeitgeber grundsätzlich die Hälfte - Sie kennen das Stichwort „Lohnnebenkosten“ - zuzahlen muss.

Und der vom Arbeitnehmer getragene Anteil an diesen Vorsorgeaufwendungen zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ist in den Zeilen 23 und 25 der Lohnsteuerbescheinigung vermerkt. Und um diese Aufwendungen geht es in den jeweiligen Zeilen der Lohnsteuerbescheinigung:


Vorsorgeaufwendungen in der Lohnsteuerbescheinigung
Zeile lt. Lohnsteuerbescheinigung Vorsorgeaufwendungen
22 Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung und an berufsständische Versorgungseinrichtungen
23 Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung und an berufsständische Versorgungseinrichtungen
24 Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse zur Kranken- und zur Pflegeversicherung
25 Arbeitnehmeranteil am Gesamt-Sozialversicherungsbeitrag (ohne Zeile 23 und 24)


Arbeitgeberanteil und Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung und an berufsständische Versorgungseinrichtungen

Diese Vorsorgeaufwendungen werden ab 2005 als besondere Altersvorsorgeaufwendungen bezeichnet. Sie dienen kraft Gesetzes der unmittelbaren Altersversorgung und dürfen bis zu einem Höchstbetrag von 20.000 Euro als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Dabei gilt im Rahmen der Neuregelung, dass dieser Höchstbetrag, beginnend ab 2005 mit 12.000 Euro (= 60% von 20.000 Euro) von Jahr zu Jahr steigt und erst im Jahr 2025 in voller Höhe als Sonderausgaben abziehbar ist; er beträgt im Jahr 2008 66% von 20.000 Euro = 13.200 Euro bzw. (2007: 64% von 20.000 Euro = 12.800 Euro)! Zum Abzug ein Beispiel, bei dem ab 2005 auch der Arbeitgeberanteil zu berücksichtigen ist.

Beispiel:

Der alleinstehende Arbeitnehmer Fleißig ist rentenversicherungspflichtig und hat im Jahr 2008 ein Arbeitseinkommen, das der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung entspricht, von 63.600 Euro erzielt; die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, die auf der Lohnsteuerbescheinigung angegeben sind, belaufen sich auf 6.328,20 Euro (9,95%). Weitere Vorsorgeaufwendungen soll Fleißig nicht haben.

Die Sonderausgaben ergeben sich wie folgt:


Vorsorgeaufwendungen – Altersversorgung: Sonderausgabenabzug 2008
Beiträge zur Altersvorsorge lt. Lohnsteuerbescheinigung Euro   
Arbeitnehmeranteil (9,95% von 63.600 Euro) 6.328   
Arbeitgeberanteil, steuerfrei (9,95% von 63.600 Euro) 6.328   
Insgesamt = 12.656 ¹)
davon werden berücksichtigt im Jahr 2008: 66% 8.353   
abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil (s.o.) – 6.328   
Altersvorsorgeaufwendungen/ Sonderausgabenabzug = 2.025   

¹ Der Höchstbetrag von 20.000 Euro wird unterschritten.


Arbeitnehmeranteil, Arbeitgeberanteil Rechner Sozialabgaben 2010
Sozialversicherung 2010 - Sozialabgaben Info

Besondere Altersvorsorgeaufwendungen: insgesamt

Neben den begünstigten Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung und den Beiträgen zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen gehören hierzu auch Beiträge zu landwirtschaftlichen Alterskassen und privaten kapitalgedeckten Rentenversicherungen. Im letzteren Fall ist jedoch Voraussetzung, dass der Versicherungsvertrag nur die Zahlung einer monatlichen lebenslangen Leibrente nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres vorsieht. Dabei darf eine ergänzende Absicherung für die Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung oder die Hinterbliebenenversorgung einbezogen werden.

Wichtig:

Die genannten Ansprüche dürfen nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sein (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 b EStG).

Kürzung des Höchstbetrags

Bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern wird der Höchstbetrag um den steuerfreien Arbeitgeberanteil (im Beispiel oben 6.328 Euro) gekürzt. Bei nicht rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern, z.B. Beamte, erfolgt auch eine Kürzung, aber in Höhe eines „fiktiven Gesamtbeitrags zur allgemeinen Rentenversicherung“. Dieser fiktive Betrag wird mithilfe des Beitragssatzes zur Rentenversicherung und dem Arbeitseinkommen bis höchstens zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung ermittelt.

Beispiel:

Der alleinstehende Beamte Strebsam, der in 2008 ein Arbeitseinkommen von 40.201 Euro erzielt hat, zahlt in eine private kapitalgedeckte Rentenversicherung i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 2b EStG 3.000 Euro ein, um eine zusätzliche Altersversorgung zu erwerben.

Abziehbar als Sonderausgaben sind:

Sonderausgabenabzug nach § 10 Abs. 1 Nr. 2b EStG im Jahr 2008: Beamter, ledig
  Euro Euro
Beiträge zu einer privaten kapitalgedeckten Rentenversicherung   3.000
Höchstbetrag 20.000  
Kürzung um fiktiven Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung (19,9% v. 40.201 Euro) – 8.000  
Gekürzter Höchstbetrag = 12.000  
66% des geringeren Betrags (= 3.000 Euro) 1.980  
Altersvorsorgeaufwendungen/Sonderausgabenabzug   1.980

Sonstige Vorsorgeaufwendungen

Diese Vorsorgeaufwendungen dienen nicht unmittelbar der Altersversorgung. Sie betreffen Beiträge zu Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit, zu Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, die nicht unter die zuvor genannten privaten kapitalgedeckten Rentenversicherungen fallen, zu Kranken-, Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen sowie zu Risikoversicherungen. Sie sind natürlich auch nur bis zu Höchstbeträgen abzugsfähig.

Sonderregelung für bestimmte Lebensversicherungsbeiträge

Ebenfalls als sonstige Vorsorgeaufwendungen können Beiträge zu Versicherungen auf den Erlebens- oder Todesfall abgezogen werden, wenn diese Versicherung vor dem 1. Januar 2005 begonnen hat und ein Versicherungsbeitrag bis zum 31. Dezember 2004 gezahlt wurde. Es handelt sich um die in § 10 Abs.1 Nr. 2 b) bb), cc), dd) EStG 2004 angeführten Versicherungen: Rentenversicherungen ohne Kapitalwahlrecht, Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht gegen laufende Beitragsleistung, wenn das Kapitalwahlrecht nicht vor Ablauf von zwölf Jahren seit Vertragabschluss ausgeübt werden kann, und Kapitalversicherungen gegen laufende Beitragsleistung mir Sparanteil, wenn der Vertrag für die Dauer von mindestens zwölf Jahren abgeschlossen worden ist.

Neue Höchstbeträge ab 2005

Nach der bisherigen Regelung bis 2004 waren alle Vorsorgeaufwendungen bis zu einem einheitlichen Höchstbetrag steuerlich abziehbar. Aufgrund der Neuregelung ab 2005 gibt es - entsprechend den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts - zwei unterschiedliche Höchstbeträge. Hierdurch wird berücksichtigt, dass in bestimmten Fällen steuerpflichtige Aufwendungen zu einer Krankenversicherung in vollem Umfang allein vom Steuerpflichtigen getragen werden und in anderen Fällen der Arbeitgeber Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlt oder z.B. bei Beamten ein Anspruch auf Beihilfe besteht.

Für den künftigen Abzug dieser Beiträge zu den anderen begünstigten Versicherungen gibt es einen

    • gesonderten jährlichen Höchstbetrag von 2.400 Euro je Steuerpflichtigem.

Dieser Höchstbetrag gilt jedoch nur für die Steuerpflichtigen, die ihre Beiträge zur Krankenversicherung in vollem Umfang allein tragen müssen, das sind z.B. Selbständige. Bei Arbeitnehmern, die ganz oder teilweise ohne eigene Aufwendungen einen Anspruch auf vollständige oder teilweise Erstattung oder Übernahme von Krankheitskosten haben oder für deren Krankenversicherung Leistungen i.S. des § 3 Nr. 62 oder § 3 Nr. 14 EStG erbracht werden, beträgt

    • der Höchstbetrag 1.500 Euro.

Der Höchstbetrag von 1.500 Euro gilt z.B. für

    • Rentner, die aus der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 3 Nr. 14 EStG steuerfreie Zuschüsse zu den Krankenversicherungsbeiträgen erhalten,
    • sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, für die der Arbeitgeber nach § 3 Nr. 62 EStG steuerfreie Beiträge zur Krankenversicherung leistet (= Normalfall!),
    • Besoldungsempfänger oder gleichgestellte Personen, die von ihrem Arbeitgeber nach § 3 Nr. 11 EStG steuerfrei Beihilfen zu Krankheitskosten erhalten (z.B. Beamte),
    • Versorgungsempfänger im öffentlichen Dienst mit Beihilfeanspruch oder gleichgestellte Personen,
    • in der gesetzlichen Krankenversicherung ohne eigene Beiträge familienversicherte Angehörige.

Zusammenveranlagte Ehegatten

Die Neuregelung sieht bei Ehegatten eine gesonderte Prüfung vor. Erhält im Falle der Zusammenveranlagung nur ein Ehegatte einen steuerfreien Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung und muss der andere Ehegatte ohne Anspruch auf vollständige oder teilweise Erstattung oder Übernahme von Krankheitskosten seine Krankenversicherung vollständig aus eigenem (versteuertem) Einkommen tragen, dann steht den Ehegatten ein Höchstbetrag in Höhe von insgesamt 3.900 Euro (= 1.500 Euro + 2.400 Euro) zu.

Nachweise

Bei Arbeitnehmern, die keine Beamten sind, werden folgende Beträge auf der Lohnsteuerbescheinigung vermerkt:

Arbeitnehmeranteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag

(ohne Beträge aus Zeilen 23 und 24)

Arbeitgeber haben - wie bisher - einen Anteil zur Krankenkassen-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ihrer Arbeitnehmer zu tragen, der grundsätzlich die Hälfte der Beiträge ausmacht. Der andere von dem Arbeitnehmer getragene Anteil ist in Zeile 25 der Lohnsteuerbescheinigung eingetragen.

Achtung!
Bei Arbeitnehmern, die freiwillig krankenversichert sind, muss der Arbeitgeber ebenfalls einen 
(grundsätzlich halben) Anteil zu der Kranken- und Pflegeversicherung leisten, der in Zeile 24 der 
Lohnsteuerbescheinigung eingetragen ist. Folge: Sie tragen Ihren von der Krankenkasse bescheinigten 
Jahresbeitrag nach Kürzung um den Arbeitgeberanteil aus Zeile 24 in Zeile 71 des Mantelbogens ein.

Günstigerprüfung

Der Abzug nach der neuen Regelung (Altersvorsorge und sonstige Vorsorge ab 2005) ist in bestimmten Fällen ungünstiger als der Abzug nach der Regelung bis zum Kalenderjahr 2004. Um Schlechterstellungen zu vermeiden, wird in diesen Fällen der höhere Betrag berücksichtigt. Diese Zweifachberechnung (einmal neues, einmal altes Recht) bezeichnet man als Günstigerprüfung, die nach dem Gesetz vom Finanzamt durchgeführt werden muss. Dabei bezieht das Finanzamt nur solche Beträge in die Berechnung ein, die nach dem ab 2005 geltenden Recht abziehbar sind. Und auch hier gibt es wieder eine Übergangsregelung, nach der die bisherigen Beträge für die Jahre ab 2011 bis 2019 schrittweise gekürzt werden (§ 10 Abs. 4 EStG).

Vorsorgepauschale nach § 10c EStG

Wie auch bisher wird bei Arbeitnehmern zur Berücksichtigung der Vorsorgeaufwendungen eine Vorsorgepauschale angesetzt. Mit anderen Worten: Sowohl bei der laufenden Lohn- und Gehaltsabrechnung als auch im Rahmen der Veranlagung wird diese Vorsorgepauschale ohne Einzelnachweis abgezogen, wenn der Steuerpflichtige im Rahmen der Veranlagung nicht höhere Vorsorgeaufwendungen nachweist.

Berechnungsschema nach § 10c Abs. 2 EStG

Ebenso wie bei dem Abzug der Vorsorgeaufwendungen unterschieden wird, gibt es auch bei der Vorsorgepauschale eine ungekürzte und eine gekürzte Pauschale.

Allgemeine - ungekürzte - Vorsorgepauschale
Die Vorsorgepauschale ergibt sich als Summe aus

1. Teilbetrag:
dem Betrag, der bezogen auf den Arbeitslohn 50% des Beitrags in der allgemeinen Rentenversicherung entspricht, und
2. Teilbetrag:
11% des Arbeitslohns, jedoch höchstens 1.500 Euro.

Arbeitslohn

Arbeitslohn in diesem Sinne ist der Bruttoarbeitslohn nach Abzug des Versorgungsfreibetrags und des Altersentlastungsbetrags. Dabei wird der ab 2005 nach § 19 Abs. 2 EStG eingeführte „Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag“ nicht in die Minderung der Bemessungsgrundlage einbezogen. Mit dem Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag wird die Absenkung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags für die Bezieher von Versorgungsbezügen auf den Werbungskosten-Pauschbetrag für andere im Alter bezogene Einkünfte ausgeglichen.

Besondere/gekürzte Vorsorgepauschale

Die gekürzte Vorsorgepauschale beträgt

    • 11% des Arbeitslohns, höchstens jedoch 1.500 Euro.

Die gekürzte Vorsorgepauschale betrifft - wie auch bisher - insbesondere Arbeitnehmer, die (vereinfachend) als nicht rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer bezeichnet werden; tatsächlich gehören hauptsächlich dazu

    <ul<
  1. Beamte, Richter, Berufssoldaten, Soldaten auf Zeit,
  2. versicherungsfrei Beschäftigte bei Trägern der Sozialversicherung und Geistliche,
  3. Arbeitnehmer, die von dem Arbeitgeber nur Versorgungsbezüge erhalten, z.B. Beamtenpensionäre,
  4. Arbeitnehmer, die als Empfänger einer Pension keinen Beitragsanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten und in einem privaten Beschäftigungsverhältnis tätig sind. </ul>

Günstigerprüfung

Soweit die Vorsorgepauschale nach der für 2004 geltenden Fassung günstiger ist, wird auch hier die alte Regelung zugunsten des Arbeitnehmers berücksichtigt. Und auch hier gibt es wieder eine Übergangsregelung, nach der bis zum Jahr 2019 der seinerzeitige Vorwegabzug abgeschmolzen wird.

Unbedingt! Eigene Aufwendungen geltend machen

Schon fast müßig zu erwähnen: Gilt für Sie die besondere gekürzte Vorsorgepauschale, sollten Sie in jedem Fall sämtliche Versicherungsbeiträge durch Einzelnachweise belegen. Auf diese Weise können Sie im Rahmen der Höchstbetragsregelung, die für alle Steuerpflichtigen gilt, einen höheren Sonderausgabenabzug herausholen. Mit anderen Worten: Die besondere Vorsorgepauschale gilt für Sie auch im Rahmen der Veranlagung. Aber nur dann, wenn Sie keine höheren Vorsorgeaufwendungen nachweisen.

Damit das WISO Sparbuch Ihre Vorsorgeaufwendungen exakt berechnen kann, muss es natürlich "wissen", zu welcher der oben beschriebenen Personengruppen Sie gehören. Machen Sie bitte in dem entsprechenden Fenster des Programms (im Abschnitt "Einnahmen als Arbeitnehmer) ein Kreuz im entsprechenden Kästchen!

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