Ausbildungsfreibetrag

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Inhaltsverzeichnis

Voraussetzungen für den Ausbildungsfreibetrag

Einen Ausbildungsfreibetrag („Freibetrag zur Abgeltung des Sonderbedarfs bei Berufsausbildung“) erhalten Sie, wenn

  • Ihr Kind volljährig ist und
  • sich in einer Ausbildung oder in einer viermonatigen Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befindet und auswärts untergebracht ist und
  • Sie Anspruch auf das Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag haben und
  • Ihnen Aufwendungen für das Kind entstanden sind (Nachweis der Höhe ist nicht erforderlich) und
  • ein Antrag gestellt wurde.


Berufsausbildung

Ein Kind ist solange in einer Berufsausbildung, bis es das endgültige Berufsziel erreicht hat. Zur Berufsausbildung gehören deshalb insbesondere der Besuch von allgemein- oder berufsbildenden Schulen, eine Fachschul- oder Hochschulausbildung und die praktische Berufsausbildung.

Sprachaufenthalte im Rahmen eines Au-pair-Verhältnisses sind grundsätzlich nur dann als Berufsausbildung anzusehen, wenn sie von einem durchschnittlich mindestens zehn Wochenstunden umfassenden theoretisch-systematischen Sprachunterricht begleitet werden (BFH vom 15.3.2012, III R 82/10, BFH/NV 2012 s. 1588). Die Berufsausbildung eines Kindes endet mit der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses, dem Abbruch der Ausbildung oder mit der Aufnahme einer Vollzeittätigkeit. Wird das Zeugnis rückdatiert, wird dadurch das Ende der Ausbildung nicht vorverlegt. Die Ausbildung endet bereits vorher, wenn das Kind nach Erbringen aller Prüfungsleistungen eine Vollzeiterwerbstätigkeit aufnimmt.


Fall 1: Das Kind legte die Abiturprüfung im April 2013 ab. Es beabsichtigte, im Oktober ein Studium zu beginnen, und bewarb sich daher im Juli (Eröffnung des Verfahrens bei der ZVS) um einen Studienplatz. Im September erhielt das Kind jedoch die Absage der ZVS. Es möchte sich nun zum nächsten Sommersemester 2014 erneut um einen Studienplatz bewerben.

Lösung: Das Kind kann durchgängig von Mai bis September 2013 berücksichtigt werden, weil es nach dem Schulabschluss die Ausbildung aufgrund des Vergabeverfahrens der ZVS zunächst nicht fortsetzen konnte. Für den Zeitraum ab Oktober ist das Kind aufgrund der Absage der ZVS und des weiterbestehenden Ausbildungswunsches zu berücksichtigen.

Fall 2: Das Kind legte die Abiturprüfung im April 2013 ab. Es möchte sich zunächst orientieren und beabsichtigt danach eine Berufsausbildung zu beginnen. Im Dezember bewirbt sich das Kind schriftlich zum nächsten Ausbildungsjahr bei einem Ausbildungsbetrieb und erhält im Januar 2014 eine schriftliche Zusage zum August 2014.

Lösung: Das Kind kann bis einschließlich April 2013 berücksichtigt werden, anschließend als Kind in Berufsausbildung im Dezember 2013 und bis Juli 2014 als Kind ohne Ausbildungsplatz, ab August 2014 als Kind in Berufsausbildung. Von Mai bis November 2013 kann es nicht berücksichtigt werden, da die Ausbildungslücke länger als vier Monate andauerte.


Auswärtige Unterbringung

Das Kind ist auswärts untergebracht (z.B. in einem Internat oder in einer eigenen Wohnung), wenn das Kind mindestens während eines Ausbildungsabschnitts außerhalb des Haushalts der Eltern wohnt, nicht am hauswirtschaftlichen Leben der Eltern teilnimmt und auswärts verpflegt wird. Besuche am Wochenende oder in den Schul- bzw. Semesterferien sind unschädlich.


Höhe des Ausbildungsfreibetrages

Der Ausbildungsfreibetrag wird im Rahmen der besonderen aussergewoehnliche Belastungen abgezogen.


Kurz:

Der Ausbildungsfreibetrag beträgt 924 Euro im Jahr (§ 33a Abs. 2 EStG). Er wird seit 2012 nicht mehr um eigenes Einkommen des Kindes gekürzt. Die Höhe des Freibetrags hat das Bundesverfassungsgericht für verfassungsgemäß erklärt.


Bei nicht unbeschränkt steuerpflichtigen Kindern (Wohnsitz im Ausland) mindern sich die Ausbildungsfreibeträge nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaates entsprechend der gleichen Ländergruppeneinteilung des Bundesfinanzministeriums wie bei den Unterstützungsleistungen für Bedürftige im Ausland.

Zusammen veranlagte Elternteile erhalten den Ausbildungsfreibetrag zusammen. Nicht zusammen veranlagte Eltern oder geschiedene Eltern erhalten jeweils die Hälfte des Freibetrages, wenn bei beiden die Abzugsvoraussetzungen erfüllt sind. Sie können jedoch auch eine andere Aufteilung beantragen.